Wichtigste Fakten
- Die Software-Forschung und -Entwicklung muss nach einem Fortschritte in der Informatik oder InformationstechnologieEs geht nicht nur darum, ein neues Produkt zu entwickeln.
- Routineentwicklung unter Verwendung etablierte Rahmenbedingungen und bekannte Muster reichen nicht aus.
- Der Fortschritt kann in Algorithmen, Datenverarbeitung, Architektur, KI/ML, Sicherheit oder Integration.
- Beide Produktunternehmen (SaaS, Apps) und interne IT-Teams (Maßgeschneiderte Systeme) können sich qualifizieren.
- Personalkosten für Entwickler, Datenwissenschaftler und DevOps-Ingenieure sind typischerweise die größten förderfähigen Ausgaben.
Was gilt als Software-Forschung und -Entwicklung?
Damit Software- und Technologieentwicklung steuerlich als Forschung und Entwicklung anerkannt wird, muss sie Folgendes anstreben: Fortschritte in der Informatik oder Informationstechnologie durch die Beseitigung echter wissenschaftlicher oder technologischer Unsicherheiten. Der Fortschritt muss über das hinausgehen, was ein kompetenter Fachmann auf diesem Gebiet ohne Weiteres erreichen könnte.[1]
Zu den typischen Anwendungsbereichen von Software-Forschung und -Entwicklung gehören:
- Neuartige Algorithmen: Entwicklung neuer Rechenmethoden zur Lösung von Problemen, die mit bestehenden Algorithmen nicht effizient bewältigt werden können.
- KI und maschinelles Lernen: Entwicklung neuer Modellarchitekturen, Trainingsansätze oder Datenverarbeitungspipelines, deren Ergebnis ungewiss ist
- Leistungsfähigkeit im großen Maßstab: Erreichen von Verarbeitungsgeschwindigkeiten, Durchsatz- oder Latenzzielen, die die bekannten Fähigkeiten übertreffen
- Komplexe Integration: Systeme auf bisher nicht erreichte Weise miteinander zu verbinden, wobei die Machbarkeit ungewiss ist
- Sicherheit und Kryptographie: Entwicklung neuer Ansätze für Cybersicherheit oder Verschlüsselung, die den Stand der Technik voranbringen
- Datenverarbeitung: Verarbeitung, Transformation oder Analyse von Daten auf neuartige Weise, die über bekannte Techniken hinausgehen
Was qualifiziert nicht
Folgende Aktivitäten sind in Softwareunternehmen üblich, aber nicht typischerweise als Forschung und Entwicklung gelten:[3]
- Standardentwicklung: Funktionen mithilfe etablierter Frameworks (React, Django, Rails, .NET) ohne technologische Unsicherheit entwickeln
- Konfiguration und Anpassung: Einrichtung von Standardsoftware oder CMS-Plattformen
- UI/UX-Design: Designarbeit ist keine Wissenschaft oder Technologie (obwohl die technische Umsetzung einer neuartigen Benutzeroberfläche es sein könnte).
- Systemadministration: Routinemäßige Bereitstellung, Überwachung und Wartung
- Dateneingabe und -migration: Datenverschiebung zwischen Systemen mithilfe gängiger ETL-Tools
- Testen und Qualitätssicherung: Routinemäßige Qualitätssicherung (wobei auch Tests im Rahmen der Behebung von Unsicherheiten in der Forschung und Entwicklung darunter fallen können).
Der entscheidende Test: Fragen Sie sich: „Wusste ein kompetenter Entwickler mit Zugang zu öffentlich verfügbarem Wissen, wie das geht, bevor wir angefangen haben?“ Lautet die Antwort „Ja“, handelt es sich nicht um Forschung und Entwicklung. Lautet die Antwort „Nein“ und Sie haben einen systematischen Ansatz zur Lösungsfindung verwendet, fällt es wahrscheinlich darunter.
Beispiele für qualifizierende Software-F&E
| Projekt | Warum es sich qualifiziert |
|---|---|
| Entwicklung einer Echtzeit-Betrugserkennungs-Engine, die 1 Million Transaktionen pro Sekunde mit einer Latenz von unter 10 ms verarbeiten muss | Übertrifft die bekannten Leistungsfähigkeit; Unsicherheit darüber, ob der erforderliche Durchsatz und die erforderliche Genauigkeit gleichzeitig erreicht werden können. |
| Entwicklung eines Systems zur Verarbeitung natürlicher Sprache (NLP), das strukturierte Daten aus unstrukturierten Rechtsdokumenten über verschiedene Rechtsordnungen hinweg präzise extrahiert. | Neue Herausforderung für KI: Bestehende NLP-Modelle können die domänenspezifischen sprachlichen und länderübergreifenden Unterschiede nicht mit ausreichender Genauigkeit verarbeiten. |
| Aufbau einer verteilten Datenpipeline, die die ACID-Konformität über 15 Microservices hinweg mit letztendlicher Konsistenz unter 200 ms gewährleistet. | Architektonische Unsicherheit; bekannte Muster (Saga, Zwei-Phasen-Commit) erfüllen die Anforderungen an Latenz und Konsistenz nicht gleichzeitig |
| Entwicklung eines Bilderkennungssystems zur Erkennung von Submillimeter-Defekten in gefertigten Bauteilen bei Produktionsliniengeschwindigkeit | Herausforderung der Computer Vision; Unsicherheit darüber, ob mit der verfügbaren Bildauflösung die erforderliche Genauigkeit in der benötigten Geschwindigkeit erreicht werden kann. |
Typische förderfähige Kosten für Softwareunternehmen
Für Software- und Technologieunternehmen ist die größte Kostenkategorie fast immer PersonalkostenZu den infrage kommenden Positionen gehören typischerweise:[2]
- Softwareentwickler und -ingenieure (aufgeteilt nach Zeitaufwand für Forschung und Entwicklung)
- Datenwissenschaftler und Ingenieure für maschinelles Lernen
- DevOps- und Infrastrukturingenieure (bei der Lösung von Herausforderungen im Bereich Forschung und Entwicklung)
- Technische Architekten (Zeitaufwand für F&E-Design und Planung)
- CTOs und technische Leiter (Zeitaufwand für F&E-Aktivitäten)
Zu den weiteren üblichen Kosten gehören Cloud-Computing (für F&E-Workloads), spezielle Softwarelizenzen und extern bereitgestellte Arbeitskräfte (Vertragsentwickler für F&E-Projekte).
Tipp: Viele Softwareunternehmen unterschätzen ihre Forschungs- und Entwicklungsarbeit, weil sie diese als „einfache Entwicklung“ betrachten. Überprüfen Sie Ihre Sprint-Backlogs, Jira-Tickets und technischen Schulden – jede Arbeit, die mit echter Unsicherheit hinsichtlich der Erreichung eines technischen Ziels verbunden war, kann darunter fallen.
Dokumentation der Software-Forschung und -Entwicklung
Softwareunternehmen sind oft gut positioniert, um ihre Forschung und Entwicklung zu dokumentieren, da sie bereits Projektmanagement-Tools und Versionskontrollsysteme einsetzen. Als nützliche Nachweise dienen beispielsweise:
- Git-Verlauf: Commit-Nachrichten und Branches, die iterative Lösungsversuche für ein Problem zeigen
- Jira/Trello/Asana: Tickets, die technische Herausforderungen und Untersuchungen beschreiben
- Zusammenfluss/Vorstellung: Technische Entwurfsdokumente und Architekturentscheidungsprotokolle
- Pull-Request-Reviews: Code-Reviews, in denen technische Kompromisse und Unsicherheiten erörtert werden
- Slack/Teams: Gespräche, in denen das Team technische Hindernisse bespricht
Häufig gestellte Fragen
Gilt die Entwicklung einer neuen App oder Website als Forschung und Entwicklung?
Nicht automatisch. Die Entwicklung einer App oder Website mithilfe etablierter Technologien, Frameworks und Designmuster ist Standardentwicklung und keine Forschung und Entwicklung. Wenn das Projekt jedoch auf echte technologische Unsicherheit stößt – beispielsweise bei der Realisierung von Echtzeitfähigkeit in einem bisher unerreichten Umfang oder der Entwicklung neuartiger Algorithmen –, kann die Arbeit zur Behebung dieser Unsicherheit als Forschung und Entwicklung gelten.
Kann agile Entwicklung Forschung und Entwicklung sein?
Ja, agile Methoden können Forschung und Entwicklung beinhalten. Die BIS-Richtlinien fordern ein systematisches Vorgehen, und agile Sprints mit klaren Hypothesen, iterativen Tests und Analysen können diese Anforderung erfüllen. Die entscheidende Frage ist, ob die Sprintarbeit wissenschaftliche oder technologische Unsicherheiten adressiert, nicht ob die Methode agil oder nach dem Wasserfallmodell ist.
Erfüllen KI und maschinelles Lernen diese Kriterien?
KI- und ML-Projekte qualifizieren sich häufig, da sie oft mit echter Unsicherheit behaftet sind, ob ein Modell die erforderliche Genauigkeit erreichen kann, ob eine neuartige Architektur funktioniert oder wie mit Sonderfällen in den Trainingsdaten umzugehen ist. Die bloße Verwendung vorgefertigter ML-Bibliotheken ohne Anpassungen reicht jedoch in der Regel nicht aus.
Kann ich die Kosten für die Fehlerbehebung geltend machen?
Im Allgemeinen nein. Die routinemäßige Fehlerbehebung fällt unter Wartung, nicht unter Forschung und Entwicklung. Wenn ein Fehler jedoch eine grundlegende technologische Unsicherheit offenbart – beispielsweise eine Race Condition, die sich nicht mit bekannten Methoden beheben lässt –, kann die Arbeit zur Behebung dieser zugrunde liegenden Unsicherheit als Forschung und Entwicklung gelten.
Weiterführende Literatur
- Was gilt als Forschung und Entwicklung? — der vollständige BIS-Richtlinientest
- Förderfähige F&E-Kosten — alle qualifizierenden Kostenkategorien
- Der technische Forschungs- und Entwicklungsbericht — wie Sie Ihre Geschichte schreiben
- Forschung und Entwicklung in der Fertigung — Beispiele aus einem anderen Sektor
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